2023 starteten wir zu sechst in ein Abenteuer, das für uns der Einstieg in das Reisen mit Enduro-Motorrädern werden sollte: die Teilnahme an der Europe Africa Rodeo. Voller Vorfreude machten wir uns von Straßwalchen aus auf den Weg Richtung Süden. Unsere erste Etappe führte uns durch Italien bis nach Genua. Dort verluden wir unsere Motorräder auf die Fähre, die uns über Barcelona nach Tanger in Marokko brachte — der Beginn unseres eigentlichen Abenteuers.
Schon bei der Ankunft in Tanger spürten wir die besondere Atmosphäre Nordafrikas. Von dort führte uns die Route zunächst nach Marrakesch. Die Fahrt durch die lebhafte Stadt war ein Erlebnis für sich, doch das wahre Highlight wartete bereits: die Überquerung des Atlasgebirges. Kurvige Straßen, beeindruckende Landschaften und stetig wechselnde Ausblicke machten diese Etappe unvergesslich. Hinter den Bergen erreichten wir schließlich Agadir — doch dort nahm die Reise eine unerwartete Wendung.
Eine unserer Yamaha XT600 erlitt einen Motorschaden, das Pleul war kurmm wie eine Banane. Statt Frust überwog schnell unser Abenteuergeist. Wir begannen, in Marokko nach einem Ersatzmotor zu suchen — und tatsächlich wurden wir fündig. Ein hilfsbereiter Motorradmechaniker bot uns an, den Motor einzubauen. Damit wir keine Zeit verloren, stellte er uns während der Reparatur eine Honda CRF 250 als Leihmotorrad zur Verfügung. Dieses Angebot nahmen wir dankbar an und setzten unsere Reise fort.
Mit dem Ersatzbike ging es weiter Richtung Westsahara. Ein besonderer Zwischenstopp war das Fort Bou Jerif — ein Ort mitten in der Weite der Landschaft. Am nächsten Tag fuhren wir entlang des Strandes von Plage Blanche. Endlose Küstenlinie, Sand, Meer und das Gefühl völliger Freiheit machten diesen Abschnitt zu einem der schönsten Momente der Reise.
Unsere Route führte uns anschließend nach Smara, bevor wir über Agadir zurückkehrten. Dort tauschten wir die Honda beim Mechaniker wieder gegen unsere reparierte XT600 — ein Moment großer Erleichterung. Von dort ging es weiter über Tata und Zagora bis nach Merzouga. In den berühmten Sanddünen erlebten wir mit einer KTM 450 EXC echtes Offroad-Feeling. Das Fahren im tiefen Sand war herausfordernd, aber zugleich eines der intensivsten Erlebnisse der gesamten Reise.
Zum Abschluss führte uns die Route nach Chefchaouen, der beeindruckenden blauen Stadt im Rifgebirge. Nach all den Wüsten- und Offroadetappen war dieser Ort ein ruhiger, fast surreal wirkender Kontrast.
Schließlich erreichten wir wieder Tanger. Mit der Fähre ging es zurück nach Genua — und von dort auf eigener Achse nach Hause. Müde, staubig, aber voller Eindrücke und Geschichten kehrten wir zurück.
Diese Reise war weit mehr als nur eine Motorradtour. Sie war unser Einstieg in eine neue Art des Reisens — geprägt von Improvisation, Teamgeist und Abenteuerlust. Und eines war uns allen klar: Das war erst der Anfang.